Wohnunterkunft Kollaustraße

Staatsminister vor Ort

Nach dem gescheiterten Versuch der gemischten Unterbringung in der Wohnanlage am Grandweg, gibt es nun auch in der Containerunterkunft Kollaustraße Nachbarschaftsprobleme. Ein weiteres Beispiel dafür, dass die in diesem Umfeld Verantwortlichen das Thema bislang zu naiv behandelt haben.

Im April 2016 schwebten einige Besucher der Infoveranstaltung zur geplanten Flüchtlingsunterkunft an der Kollaustraße noch in höheren Sphären. Man sorgte sich beispielsweise darum, ob in den Bäumen, die wegen der Baumaßnahmen gefällt werden müssen, womöglich Vögel nisten, manch einer wollte gar die Container bunt anstreichen - sozusagen als äußerer Ausdruck der schon bald dort herrschenden Vielfalt.

Nun ist man auf dem Boden der Tatsachen zurück, es geht mittlerweile um handfestere Probleme. Inzwischen sind nämlich 161 Bewohner in die Unterkunft gezogen und die verursachen natürlich Lärm und Müll - problematisch nur, dass die neuen Nachbarn lauter sind als bisher in der Stapelstraße üblich und etliche von ihnen offensichtlich in ihrer Heimat keine Mülltonnen kennengelernt haben.

Müllentsorgung

Versprochen hatte man den Anwohnern, dass die Mitarbeiter von Fördern und Wohnen (f&w) dieses Bildungsdefizit beheben würden und die Bewohner zur Benutzung der Müllcontainer erziehen würden. Beate Schmid-Janssen, Bereichsleiterin Harburg und Eimsbüttel bei f&W (Zitat übernommen aus den Eimsbütteler Nachrichten): „Eine Erziehungsaufgabe, die meine Mitarbeiter vor Ort leisten werden, um denjenigen, die es nicht gewohnt sind, die Benutzung der Müllcontainer zu zeigen und diese durchzusetzen.“

Ob jedoch auch die Mülltrennung funktioniere, fügte Schmid-Janssen hinzu, damit solle niemand rechnen. Man sei schon froh, wenn überhaupt alles in den Mülltonnen landet.

Aber auch diese Minimalvorgabe konnte bislang nicht eingehalten werden, denn regelmäßig werfen die Bewohner der Unterkunft ihren Müll einfach neben die Tonne. Häufig genug sogar sehr weit daneben, etliche Flüchtlinge entsorgen ihren Müll aus unerfindlichen Gründen auf dem Nachbargrundstück.

Dieses Verhalten wirft eine grundsätzliche Fragen auf: Wie können wir es schaffen, Menschen zu integrieren, die auch nach Monaten der Erziehung durch qualifizierte Betreuer vor Ort, nicht in der Lage sind ihren Müll in die bereitstehende Tonne zu werfen?

Und welche Erziehungsmethoden haben denn wohl die Mitarbeiter von f&w angewandt? Gab es Sanktionen bei Verstößen oder gar Belohnungen für korrektes Mülleinwerfen?

Lärmbelästigung

Ein anderes Problem ist der Lärm. Die Bewohner der Unterkunft nehmen auch in dieser Hinsicht wenig Rücksicht auf die angestammten Bewohner ihrer neuen Heimat. Diese klagten daher bereits gegenüber dem Niendorfer Wochenblatt: „Das Fußballspielen der Kinder zwischen den Containerwänden sei sehr laut, ebenso die Gespräche der Erwachsenen bis weit nach 22 Uhr.“

Auch hier wären eigentlich die pädagogischen Fähigkeiten der Mitarbeiter von f&w vor Ort gefragt. Doch die nehmen ihre Bewohner lieber in Schutz als entsprechend einzugreifen - denn das ist natürlich viel bequemer. So hat eine Sprecherin vor Ort diverse Ausreden parat, warum die Bewohner oft bis spät in die Nacht im Freien sitzen und klönen: Die einen wollen schlafen, weil sie am Morgen früh aus dem Bett müssen, die anderen treibt die Hitze und Enge aus den Wohncontainern. Wegen des knappen Zuschnitts ließe die Anlage Kindern wenig Außenfläche zum Spielen. Insbesondere wegen der Hitze und des Ramadans, währenddessen die muslimischen Bewohner sich erst nach Sonnenuntergang zum Fastenbrechen treffen, suchen die Bewohner aus ihren beengten Wohnverhältnissen die Freifläche auf.

Das kommt uns alles irgendwie bekannt vor. Auch in der Wohnanlage am Grandweg hat der Ramadan den Altmietern zu schaffen gemacht. Allerdings sind mittlerweile viele der Altmieter aus der Wohnanlage ausgezogen, somit hat sich das Problem fast erübrigt.

Wenn die stadteigene Betreuungsfirma f&w es nicht hin bekommt, die Neu-Bürger anzuleiten (weder am Grandweg noch an der Kollaustraße), dann könnte die Bezirksversammlung vielleicht einmal überlegen, ob sie nicht in das aktuell ergänzte Kapitel 7.2. des Integrationskonzepts „Integrationskurse zur Orientierung im deutschen Alltag - Werte und Normen“ einen Absatz über nachbarschaftliches Verhalten einarbeitet.

Kein Miteinander, nichtmal ein Nebeneinander

Eine weitere Parallele: Das Klima ist inzwischen an der Kollaustraße genauso vergiftet wie am Grandweg. Zitat eines Anwohners der Unterkunft: „Das ist hier kein Nebeneinander sondern ein Gegeneinander.“

Bei den acht Mietparteien des benachbarten Mehrfamilienhauses in der Stapelstraße käme es, so das Niendorfer Wochenblatt, immer wieder zu Beschwerden über die direkt angrenzende Unterkunft. Und auch der Vermieter beklagt sich: “Ein Mieter hat bereits gekündigt, als Vermieter sind wir überfordert, diese Situation zu einem allumfänglichen, erträglichen Zustand zu bringen.“

Auch spontane Vermittlungsversuche seien gescheitert. Eine Mieterin habe auf gütliche Weise versucht, Kontakt aufzunehmen und die Probleme zu klären. Das habe aber niemanden interessiert. Mehrfach seien die Mieter von den Bewohnern der Unterkunft sogar bepöbelt worden.

Die Betreiber der Anlage hingegen spielen auch das Lärm-Problem herunter: „Dass Kinder in Wohngegenden draußen spielen und dabei auch laut sind, sehen wir als etwas ganz Normales an“, so eine Sprecherin gegenüber dem Wochenblatt.

Das ist alles ähnlich wie in der gemischten Unterkunft am Grandweg, auch dort beschwichtigen die Verantwortlichen und leugnen, dass die Altmieter in den Treppenhäusern sowohl von den dort Untergebrachten als auch von den ehrenamtlichen Helfern belästigt, bedrängt und eingeschüchtert wurden.

Doch anders als am Grandweg ist an der Kollaustraße noch ein wenig Hoffnung. Hier begegnen sich die Parteien ja auch nicht in den Treppenhäusern, es wird bislang lediglich von Grundstück zu Grundstück hin- und hergebrüllt.

Daher wagten die Verantwortlichen an der Kollaustraße am Mittwoch einen Versuch die Gemüter zu beruhigen, f&w veranstaltete ein Sommerfest. Hoher Besuch hatte sich angesagt, Niels Annen - aus für uns unerfindlichen Gründen mittlerweile zum Staatsminister im Auswärtigen Amt aufgestiegen - hatte zugesagt, die Unterkunft in seinen Wahlbezirk aus Anlass des Festes zu besuchen. Denn was tut man nicht alles für seine zukünftigen Wähler.

Vielleicht kann Annen ja die Bewohner der Unterkunft dazu überreden, künftig um 22 Uhr ins Bett zu gehen.

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© Lokstedt-online 24.06.2018