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Wachsende Stadt

Umdenken in der gesamten Stadtpolitik

„Als alter Baum wächst er kaum noch, sondern versucht trotz Bodenversiegelung und Autoabgasen zu überleben" - So steht es auf einem Schild an der altehrwürdigen Eiche, mehr als 200 Jahre alt ist sie, die am Rande der Kollaustraße steht, immer noch steht, nahe der Bücherei, kurz bevor die Kollaustraße in den sogenannten Siemersplatz mündet, der ja längst kein Platz mehr ist, sondern eine Hauptverkehrskreuzung, die eigentlich niemand ohne Gasmaske und Ohrenstöpsel überqueren kann. Ums Überleben geht es auch uns Menschen bei dem immer noch steigenden höllischen Autoverkehr. Teil 6 einer Serie von Manfred Bonson

„Es sterben 10mal mehr Menschen durch Luftverschmutzung in Deutschland als durch Autounfälle“ las ich gerade. Und in Hamburg würden 1.630 Menschen im Jahr durch Luftverschmutzung sterben, schätzt der NABU(1).

Dichte Bebauung führt zu hoher Abgasdichte

Nachdem die zunehmende Verdichtung, nicht nur der bebauten Fläche und seiner Bewohnerschaft (Sardinenbüchsenprinzip), sondern auch des Autoverkehrs mit seiner Vergiftung und Zerstörung der Stadt, bisher keine Debatte wert war, häufen sich plötzlich die Meldungen zum Thema Stadtverkehr, ohne dass allerdings die bauliche Verdichtungspolitik dabei auch nur im geringsten einer kritischen Überprüfung unterzogen würde. Man betrachtet das Thema Dieselmotoren punktuell, weil man dazu gezwungen wurde, ignoriert aber bewusst, dass die bauliche Verdichtung durch das Zubauen von Frischluftkorridoren und die Vernichtung der Frischlufterzeuger und -filter (Bäume, Büsche, alles Grün) ebenfalls zur Verschlechterung der Luftqualität erheblich beiträgt.

Das erleben wir ständig in Lokstedt, immer mehr Gärten, Bäume und Büsche verschwinden, immer höhere und breitere Gebäude wachsen empor an Stellen, wo vorher eine lockere Bebauung mit größeren Gärten und grünen Flächen vorherrschte: Der Wind strömte durch die breiten Lücken, und das Grün regenerierte zusätzlich wenigstens teilweise die Luftqualität. Man konnte noch atmen. Noch heute atmet man auf, wenn man die Hauptverkehrsstraßen verlassen hat (2).

Hamburg reagiert kaum auf die Dieselverseuchung

Der Dieselskandal hat in den Medien wenigstens partiell zu kritischen Betrachtungen über unsere Verkehrspolitik geführt. Selbst im Hamburger Abendblatt waren mit einmal ehrliche Worte zu lesen - nach einem jahrzehntelangen Schweigen, Totschweigen der Verkehrskatastrophe, unter der wir alle leiden - in Lokstedt genauso wie in den übrigen Hamburger Stadtteilen. Hamburg scheint mir de facto noch wesentlich schlimmer zu sein als die anderen deutschen Städte, die im Zusammenhang mit Untersuchungen des Bundesumweltamtes oft genannt werden. Während die Regierenden lange Zeit alles taten, um den Dieselskandal möglichst lautlos zu begraben, wurden sie nun aufgescheucht durch das Bundesverwaltungsgericht.

Die Leipziger Richter übernahmen das, wozu eigentlich die Politiker von uns gewählt sind, sie machten Politik - einmal für das Volk (im Namen des Volkes), also für das Gemeinwohl, d.h. sie versuchten es zumindest, die Politiker zu veranlassen, etwas gegen die Abgasverseuchung in unseren Städten zu tun. Ob es gelingt, und ob und wann etwas bei uns ankommt, steht auf einem anderen Blatt. Die Regierenden, willige Kumpanen der Abgasbetrüger, bedienten sich bisher noch jeden Tricks, ihre Klientelen zu schützen. Und ihre Klientelen, das sind nicht wir. Lokstedt wird sicherlich weiter unter einer Auto- und Abgasflut begraben werden. Bevor sich etwas ändert, müsste schon die Revolution ausbrechen, eine Graswurzelrevolution sozusagen.

Es fing schon sehr gut an: Kaum war das erwartete Urteil der Leipziger Richter verkündet, preschte Hamburg vor, „Hamburg macht als erste Stadt Ernst“, „Hamburg sieht sich als Vorreiter“ meldeten die Schlagzeilen, oder doch wenigstens die Unterzeilen: „Hamburg sperrt als erste deutsche Stadt zwei Straßenabschnitte“ (auf der Stresemannstraße und der Max-Brauer-Allee), lauteten die Jubelmeldungen - oder vielleicht eher Schreckensmeldungen für viele eingefleischte Autofahrer? Hamburg, das Jahrzehnte verschlafen hat, wacht nun plötzlich auf? Oh nein, an diesen beiden Straßenabschnitten stehen zufälligerweise die Messgeräte, und sie messen reichlich viel Gift. Messgeräte stehen auch noch an ein paar weiteren Stellen in Hamburg, aber nicht bei uns in Lokstedt, nicht am Siemersplatz zum Beispiel. Sicherlich werden an vielen Straßen und Plätzen in Hamburg die sogenannten Grenzwerte weit überschritten. Ich sage sogenannt, denn wirkliche ungefährliche Grenzwerte gibt es natürlich nicht. Grenzwerte sind eine Illusion, eine bewusste Täuschung.

Und nun, nach dem Urteil - „If you can't beat them join them!“ sagte sich unser grüner Umweltsenator und setzte sich, stellte sich stolz an die Spitze des Fortschritts, um davon abzulenken, dass Hamburg sonst nichts tut... Es war und ist ein Propagandatrick, eine Alibiveranstaltung. Die Abgasdichte ist im gesamten Stadtgebiet zu hoch, oder jedenfalls in den meisten Teilen Hamburgs. Und wird der Autoverkehr partiell, punktuell abgeblockt (oder besser: selektiert), verteilt es sich eben in der Umgebung, d.h.: In der Umgebung der gesperrten Stellen sorgt der Ausweichverkehr für eine umso höhere Belastung.

Würde der Siemersplatz für bestimmte Fahrzeuge gesperrt (ein Witz, denn der Siemersplatz ist gerade ein Knotenpunkt für den LKW-Fernverkehr; deshalb hat man dort auch keine Messstation hingestellt) - dann dürfte ich mich in Zukunft darüber freuen, dass es bei mir in der Höxterstraße laufend vorbei donnert (zusätzlich zu dem hohen Grundrausch-, Hup- und Sirenenpegel, dem ich auch an unserer Allee nicht entkomme) (3). Der Deutsche Städtetag hält dann auch mit Recht einzelne Straßensperrungen für bei weitem nicht ausreichend.

Nachverdichtung fördert Luftvergiftung

Es ist unbestreitbar, dass die bauliche Verdichtung, die gegenwärtig verstärkt betrieben wird, auch zu einer schlechteren Luftqualität führt: Schneisen, Schleusen, Lücken, durch die Luft zirkulieren, der Wind hindurch streichen kann, werden zugebaut. Die Luft staut sich in der Großstadt. Ebenso wie der Grünfilter zerstört wird. Selbst wenn also es erreicht werden sollte, dass der Abgasausstoß pro Auto einmal weniger wird, so wird dieser Effekt durch die blindwütige bauliche Nachverdichtungspolitik doch wieder aufgehoben – ebenso übrigens wie durch den weiter stetig wachsenden Autoverkehr. Hier würde auch sicher ein zusätzlicher Rebound-Effekt wirksam werden: Je unschädlicher das Auto erscheint, desto öfter und unbedenklicher wird damit gefahren (wobei die grundsätzlich negativen Auswirkungen ohnehin so oder so verdrängt werden).

Kostenloser Nahverkehr als Propagandmanöver

In ihrem Versuch, das Abgasurteil doch noch abzuwenden, verfiel die Regierung plötzlich auf die geniale Idee eines kostenlosen Nahverkehrs. Das war natürlich wenig ernst gemeint und überhaupt nicht durchdacht. Dabei wäre viel Zeit gewesen, es zu durchdenken, und daraus ein Konzept zu machen: Bereits in den 1970er Jahren wurde ein kostenloser Nahverkehr als Teil der Lösungen für die Verkehrsprobleme unserer Städte häufig vorgeschlagen. Aber noch jede Regierung hat hierbei bewusst weggeschaut, so etwas nicht einmal in Erwägung gezogen und sich zum Anwalt der Autoindustrie gemacht.

Als Einzelmaßnahme ist kostenloser Nahverkehr nur eine Alibiveranstaltung, die alleine für sich genommen das Verkehrsproblem nicht löst. Auch wenn die Kosten- und Kapazitätsaufgaben zu bewältigen sind - der Entlastungseffekt würde nicht ausreichen. Die Gruppe derjenigen, die sich dadurch zum Umsteigen vom Auto auf Bus und Bahn bewegen lassen, dürfte begrenzt sein. Es sind wohl nicht viele in Hamburg, die Auto fahren, weil Bus und Bahn ihnen zu teuer sind. Ein Allheilmittel wäre das auf keinen Fall, als begleitende Maßnahme aber sicher sinnvoll. Kostenloser Nahverkehr kann nur ein Teil eines umfassenden Verkehrsminderungskonzeptes sein. Und ein solches Konzept existiert nicht und ist offensichtlich auch nicht geplant.

Anwohnerparkzone als Alibiveranstaltung

Die Politik beschränkt sich auf sporadische, erratische möchte man sagen, Einzelfall-, Symptom- oder Symbolhandlungen. Ein Beispiel dafür ist auch die gerade bekanntgegebene Absicht, immer mehr Anwohnerparkzonen einzurichten (4).

Nachdem man, unbemerkt von der Öffentlichkeit, die Pflicht für Bauherren, bei Neubauten ausreichend Garagen zu bauen, stillschweigend aufgehoben hat (um den Wohnungsbau zu fördern und von bürokratischen Beschränkungen zu befreien), werden unsere Straßen natürlich noch mehr mit Autos vollgestellt: Die Anwohner, neue wie alte, wissen nicht, wohin mit ihren Autos. Schon bisher fand man nicht genug Parkraum (und stellte das Auto dann in anderen Straßen ab) und bei den zahlreichen Neubauten mit ihren vielen Wohnungen wird der Zustand hoffnungslos. Das bleibt er auch. (Nicht jeder ist so ein Querkopp wie ich und verzichtet auf das Auto).

Fremdparker wirksam auszuschließen bedeutet nun tatsächlich einen bürokratischen Aufwand - und löst das Problem nicht. Natürlich wussten unsere famosen Politiker das alles, so sicher wie, dass Wasser nass macht. Aber die Immobilien- und Bauwirtschaft muss ja gefördert werden - um jeden Preis. Auch wenn wir daran ersticken. Und eben auch: Die heilige Kuh Auto darf nicht angetastet werden, (Auto-)Verkehrsverminderung, Verkehrsvermeidung - das ist tabu.
Auch dieser Fall charakterisiert vollkommen unsere Politik, auch gerade die Hamburger Politik: Man reißt irgendwo ein Loch auf, um es dann wieder zu stopfen - was aber nicht wirklich gelingt - Flickschusterei!

Milliardengrab U5

Und man verschwendet jede Menge Geld für sinnlose Projekte, anstatt dass man das Geld dafür ausgibt, die tatsächliche Misere wirklich zu ändern - mit geeigneten Maßnahmen. So würde, wie ich in meinem letzten Artikel schon sagte, ein U-Bahnanschluss Siemersplatz überhaupt nichts an der dort unmöglichen Verkehrssituation ändern. Lokstedt ist bereits mit Bus und U-Bahn hervorragend bedient (5).

Wenn aber der Fahrzeugverkehr hier trotzdem so höllisch ist, hat das nichts mit mangelndem öffentlichen Verkehrsanschluss zu tun - Es liegt allein daran, dass Hamburg konsequent das Konzept autogerechte Stadt verfolgt (ohne es heutzutage natürlich zuzugeben). Nur eine Einschränkung des Autoverkehrs zugunsten einer menschlichen Stadt kann helfen - kein weiterer Ausbau des öffentlichen Verkehrs (ob kostenlos oder nicht). Nach neuen Meldungen will man nun die U5 eventuell doch nicht über den Siemersplatz führen, sondern sie soll Lokstedt nur an der Gärtnerstrasse streifen - um den angrenzenden westlichen Bereich von Lokstedt zu erschließen, wo in den letzten Jahren viele Neubauten errichtet worden sind und weitere entstehen - auf Kosten der letzten stadtnahen Kleingärten, die wir so dringend bräuchten (6).

Das Argument ist lächerlich, denn es sind nur ein paar Minuten zur Buslinie 5, von dort 3 Minuten zum U-Bahnhof Hoheluftbrücke - oder in die andere Richtung ist es nicht weit zur U2 (Lutterothstraße oder Hagenbecks Tierpark), mit dem Fahrrad ist man besonders schnell dort. Es kommt auch gern das Hilfsargument: Zur Entlastung. Diese Rechtfertigung lese / höre ich auch beim Straßen(aus)bau seit 70 Jahren - mit dem bekannten Ergebnis, unter dem wir alle leiden! Der Metrobus 5 ist nur in den Berufsspitzenzeiten kurze Zeit voll - und schon an der Hoheluftbrücke kann man eben umsteigen. Die U2 erlebe ich fast immer nur mäßig gefüllt - sehr angenehm. Aber für die wenigen etwas unangenehmeren Minuten Milliardensummen zu verbrennen - nun ja, das ist unsere Politik!

Auch die anderen Begründungen für die U5 (Erschließung von Lurup, Osdorf etc.) sind von derselben Qualität...(7).. Gibt es nichts Wichtigeres? Haben wir zu viel Geld? Ich könnte binnen weniger Minuten ein Dutzend Problemfelder aufzeigen, wo wir Geld dringend nötig hätten, es aber angeblich keines gibt: Lehrer, Krankenschwestern, Pfleger-innen, Rentner, Sozialwohnungen, Straßenrückbau – ja!, und vieles andere mehr (aber nicht Aufrüstungshilfe für die Türkei, den Irak und Afghanistan, und und und...).

Die Organisation Umwelthilfe, die die Abgasproblematik durch ihre Gerichtsklagen jetzt so bewusst gemacht hat, hat einmal ausgerechnet, wie viel Gift alleine durch solche baulichen Großprojekte in die Luft geschleudert wird (Baumaschinen und Transport) - es sind gewaltige Mengen! Abgesehen davon, dass wir auf ewig in und mit Baustellen leben müssen. Seit 70 Jahren hoffen wir, dass es vorübergeht, einmal zu Ende geht. Aber ein Ende der Misere wird es nie geben, sondern es wird nur noch schlimmer.

Größenwahn, Wachstumsideologie, Profitinteressen und Klimawandel

Die Planer und Politiker sind nur noch technokratische Roboter, die mechanisch, automatisch Regeln folgen, die sie als Naturgesetze ansehen. Sie meinen, es müsse alles größer, weiter, mehr werden - weil sie das Wachstum von Kindheit an so gewohnt sind. Seit vielen Jahrzehnten wurden U-Bahnen gebaut. Dass es auch mal gut sein könnte, genug wäre - darauf kommen sie nicht, das ist für sie undenkbar.

Und das gilt für alle Parteien. Wenn ein Einzelner mal anders denkt, wird er es nicht wagen, den Mund aufzumachen - Er hätte Angst, als idealistischer Spinner betrachtet zu werden.

Dass man eine gigantomanische Megalopolis aufbaut - das sieht man nicht.
Dass man mit einem solchen konformistischen Größenwahn die Klimakatastrophe nicht aufhält, ist völlig klar. Der Weltklimarat stellt es eindeutig in seiner aktuellen Einschätzung fest: Die Entwicklung ist nicht aufzuhalten, wenn so weiter gemacht wird - auch in Hamburg! Unser Stadtteil Lokstedt ist nur Spielball der Hamburger Politik (8).

Medienecho

Der Abgasskandal und besonders das Dieselurteil haben nun endlich eine Fülle von Artikeln hervorgebracht, die über das engere Thema hinausweisen - und zur grundsätzlichen Infragestellung der bisherigen Konzepte der Verkehrs- und Stadtplanung führen - führen müssten.

Besonders gute Artikel finde ich im Spiegel Nr.10/2018: „Der Diebstahl - Die Wut der Autofahrer - und wie der Verkehr der Zukunft aussehen könnte“ und im Stern vom 14.09.17: „Warum das Auto aus den Innenstädten verschwinden wird“. Aber auch die Journalisten sind Idealisten. Solche hoffnungsvollen Aufschreie einer vernunftbegabten Minderheit hat es schon immer gegeben – und sie verschwanden wieder in der Versenkung. Das Hamburger Abendblatt hat innerhalb weniger Tage eine Reihe von Berichten gebracht.

Abgasdichte, Autos und Bebauungsdichte - Das Dieselurteil müsste zu einem Umdenken in der gesamten Stadtpolitik führen!

Nachtrag 1: Hamburg mit am teuersten

In den vergangenen Artikeln hatte ich Zahlen über die Verteuerung der Wohnungen in Hamburg zitiert. Die Berechnungen beruhen auf unterschiedlichen Grundlagen und Methoden, die Ergebnisse unterscheiden sich aber nicht sehr. Das Hamburger Weltwirtschaftsinstitut hat im Auftrag der Postbank Eigentumswohnungen herausgegriffen (Postbank Wohnungsatlas) und in Hamburg im letzten Jahr einen Anstieg der Preise um durchschnittlich 6,6 Prozent ermittelt. Das wird repräsentativ sein - aber nur als Mittelwert! Lokstedt könnte einen höheren Anstieg als z.B. Harburg verzeichnen - auf einem in Lokstedt ohnehin schon höheren Niveau. Und dann ist es natürlich von Viertel zu Viertel, von Straße zu Straße noch sehr unterschiedlich: Das Zylinderviertel hat natürlich ganz andere Preise als weite Bereiche oberhalb des Grandwegs.
Hamburg gehört nach dieser Studie zu den drei teuersten deutschen Städten, nach München und Frankfurt. Stuttgart liegt auf Platz 4, und Berlin auf Platz 5. (Hamburger Abendblatt 15.03.18: „Wohnungspreise steigen weiter“).

Nachtrag 2 : Immobiliengewinn auf Rekordhöhe

Hierzu passt auch diese Meldung der Nachrichtenagentur Reuters:
„Hohe Wertsteigerungen und anziehende Mieten in den Metropolregionen lassen beim zweitgrößten heimischen Immobilienkonzern Deutsches Wohnen die Kasse klingeln. Wie das Unternehmen am Freitag mitteilte, stieg der Gewinn 2017 auf ein Rekordniveau von 1,8 Millionen Euro - im Jahresvergleich ein Plus von neun Prozent. Das operative Ergebnis kletterte von 384 auf 432 Millionen Euro. An die Aktionäre will Deutsches Wohnen eine Dividende von 80 (2016: 74) Cent je Aktie ausschütten.“ (Frankfurter Rundschau 24./25.03.18)
Bei solchen Preissteigerungen, gefördert durch die Baupolitik, werden natürlich erst recht viele Menschen Wohnungen und Häuser im Hamburger Umland suchen, so dass das angebliche Ziel der Nachverdichtung, Pendelverkehr zu vermeiden, auch dadurch ad absurdum geführt wird.
Auch das Handwerk erlebt durch den Bauboom einen Auftragsrekord. Dadurch steigen auch die Preise für Handwerksleistungen erheblich. Und für einen simplen Kunden wie mich ist es schwierig, gute Handwerker zu angemessenen Kosten und in einem angemessenen Zeitraum zu bekommen.

Quellen und Anmerkungen

1. welt.de 17.09.15, Morgenpost 01.02.16
2. Hamburger Abendblatt 14.03.18 „Zahl der Straßenbäume geht zurück – Umweltschützer fürchten, dass sich das Stadtbild verändert. Neupflanzungen seien auch weniger effektiv...“
3. n-tv 28.03.18 „Schützen Messstationen statt Menschen – Hamburg bekämpft Autoabgase nur halbherzig.“
4. Hamburger Abendblatt 17./18.03.18 „Zu viele Autos – kommt überall in Hamburg Anwohnerparken?“
5. Hamburg hat ein sehr gutes und effektives Nahverkehrssystem, mit U- und S-Bahn und mit vielen Buslinien kreuz und quer durch die Stadt. Ein dichtes Liniennetz und und ein ebenfalls sehr dichter Takt sorgen dafür, dass wirklich jeder relativ schnell überall hinkommt. Der Ausbau dieses Netzes seit den 1960er Jahren erfolgte mit der These, dass der Autoverkehr damit deutlich verringert würde. Die Entwicklung hat aber gezeigt, dass selbst „die U-Bahn vor der Haustür“ sehr viele Menschen nicht veranlasst, auf das Auto zu verzichten. Kritiker sind der Meinung, dass die Annahme, dass menschliches Handeln auf Vernunft beruht, denn doch wohl zu optimistisch war.
6. Hier, wie auch auf anderen Gebieten, hat sich eine bestimmte technische, technologische Entwicklung und die dazugehörige Denkweise verselbständigt. Wir sehen es im Strassenbau: Man erstrebte, und erstrebt teilweise noch immer, ein möglichst dichtes Strassennetz über die ganze Republik zu legen, damit wirklich „jeder Ort seinen Autobahnanschluss“ hat. Wo man noch eine Fläche ohne Straße sieht, empfindet man das als leere Fläche, als Mangel, und fühlt sich wohl zwanghaft veranlasst, dort auch noch eine Straße hindurch zulegen – kreuz und quer. Nach demselben Zwangsmechanismus fühlt man sich getrieben, das U-Bahnnetz zu vervollständigen, überall wo scheinbar noch eine Lücke ist - Horror vacui (Angst vor der Leere)...Begründungen werden nachgeliefert, ebenso wie geschönte Kostenberechnungen - Wir haben's ja - reichlich...
Auf einer anderen Ebene sind natürlich letztlich ökonomische Interessen entscheidend bei solchen scheinbar irrationalen Projekten.
7. Hamburger Abendblatt 13.03.18.
8. Spektrum.de 16.03.18 „Erreichen wir unsere Klimaziele noch?“. In der Politik sind wenig Bemühungen zu erkennen, die Versprechungen der Pariser Klimakonferenz zu realisieren.
Spektrum.de 21.03.18 „Rettet uns Geo-Engineering?“
Entsprechend der vorherrschenden Technikgläubigkeit glaubt man, Kohlendioxid aus der Atmosphäre entnehmen oder unter der Erde binden zu können usw. - alles, um eine Verhaltensänderung und eine Änderung des Wachstum-Wirtschaftssystems zu vermeiden - weil man natürlich merkt, dass die Profit-Gegenkräfte zu stark sind, um direkt etwas zu erreichen. Aber auch diese Verfahren vergrößern die Katastrophe nur. Da sich nichts ändert, ist die Welt auf dem Pfad einer Erwärmung um 4° - Für vieles ist es bereits zu spät! (siehe: Frankfurter Rundschau 24.03.18 „Gletscherschmelze nicht mehr aufzuhalten“).

Serie zum Thema

Teil 1: „Nach-Verdichtung" - und eine menschliche Stadt
Teil 2: Verdichtung = Vernichtung
Teil 3: Siemersplatz-Inferno ist überall
Teil 4: Bauboom, Preisexplosion und Autowahnsinn
Teil 5: Ein neuer Krieg
Teil 6: Umdenken in der gesamten Stadtpolitik
Teil 7: Beispiel Höxterstraße

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© Lokstedt-online 30.03.2018, Autor: Manfred Bonson