Leserbrief

Der Vergleich ist geschmacklos

(zu: Wunderbare Ruhe vom 29.03.2020)

Lieber Herr Bonson,
ich lese als Lokstedter zwar Ihre Beiträge, kann aber nicht umhin, diesen eine Stimmungslage von Wehleidigkeit zuzusprechen. 

Was war früher nicht alles schöner? Diese mitleidigen Vergangenheitsvergleiche helfen niemandem. Und was sie mit Corona zu tun haben?

In Ihrem letzte Beitrag, Titel Corona, treiben Sie es ganz besonders bunt. Das klingt schon schwermütig und ausweglos.

Weswegen ich Ihnen aber antworte, ist ihr schauriger Vergleich mit Hitlers Plänen der Stadt Hamburg. Immer wieder mal werden Vergleiche mit Hitler herangezogen, sie passen aber so gut wie nie.

Ihrer passt auch nicht, er ist geschmacklos. Die Gründe für Herrn Hitler und die Notwendigkeit der wachsenden Stadt von heute sind grundverschieden und aus völlig anderen Motiven heraus begründet. Da hilft es auch nichts, wenn sie Zeitungen als Quellen angeben – Journalisten schieben die Verantwortung ja gern auf andere Quellen. Die genannten Zeitungen haben ihre Vergleiche immerhin noch aus etwas eher vergleichbaren Gründen geschrieben, das könnte man ja vielleicht noch akzeptieren. Vielleicht! Sinn machen diese Vergleiche aber auch nicht.

Ich sehe -wie Sie- das Hochhaus an den Elbbrücken ungern und habe auch bei der Verdichtung der Stadt Bedenken, von der ich nicht weiß, wie und wann sie an Grenzen stößt. Aber haben wir Alternativen? Sehen Sie sich doch nur einmal die Mietentwicklungen an.

Die Projekte schlechtreden, in dem Sie sie mit Hitler in einem Atemzug nennen, ist jedenfalls keine Option. Nicht einmal nur schlechter Geschmack.

Ich wünsche Ihnen in diesen Zeiten Gesundheit und eine Aufhellung Ihrer Stimmung. Vielleicht bei einem Spaziergang durch Lokstedt, jetzt, wo alles so wunderbar ruhig ist.

Jürgen Petersen

© Lokstedt-online 06.04.2020